Für aufstrebende Designermarken und Boutiquen wirken Mindestbestellmengen (MOQs) oft wie willkürliche kaufmännische Hürden. Bei handgeflochtenen Taschen basiert die 100-Stück-Grenze jedoch auf handfesten materialtechnischen und produktionstechnischen Gesetzmäßigkeiten.
1. Färbepartien & Farbgleichheit
Naturfasern wie ungebleichtes Raffia oder Baumwollkordeln nehmen Farbstoffe anders an als industrielles Polyester oder Nylon. Um Ihre Markenfarbkarte exakt zu treffen, setzt unsere Färberei spezielle Warmwasser-Farbbäder an.
Die technisch sinnvolle Mindestmenge eines Farbbads fasst etwa 25 bis 30 kg Rohfasern — was rechnerisch ziemlich genau 80 bis 100 mittelgroßen Shoppern entspricht. Kleinere Chargen führen zu deutlichen Farbschwankungen und unregelmäßigen Schattierungen von Tasche zu Tasche.
2. Schnittmuster & Flechtrhythmus
Während maschinell gestanzte Stofftaschen in Sekundenschnelle auf Lasertischen zugeschnitten werden, erfordert jede handgeflochtene Tasche, dass die Flechterin einen präzisen physischen Arbeitsrhythmus mit Flechthaken oder Lehre aufbaut.
Bei den ersten 5 bis 10 Taschen eines neuen Modells werden Maschenspannung und Nahtzugaben anhand des Tech Packs feinjustiert. Sobald die Flechtspannung eingespielt ist, laufen die Stücke 11 bis 100 mit außergewöhnlicher Maßhaltigkeit. Eine Serie nach 20 Stück abzubrechen würde bedeuten, genau dann aufzuhören, wenn die Flechtgenauigkeit ihre höchste Effizienz erreicht.
3. Musterkosten & Verrechnung
Die Entwicklung einer individuellen Tasche erfordert Papierschnittmuster, Schneidwerkzeuge für das Futter und physische Prototypen. Um die Entwicklungszeit unserer Werkstatt zu schützen, wird die Musterung nach Sichtung des Briefings projektspezifisch kalkuliert.
Erteilt die Marke einen Serienauftrag ab 100 Stück, wird diese Prototypengebühr vollständig gutgeschrieben und von der Schlussrechnung abgezogen, sodass für den Entwicklungsschritt keine Zusatzkosten entstehen.
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